Königswanderung – man hätte das intelligenter machen können

Wahrscheinlich wäre es auch leichter gegangen, am Ende hat es aber doch geklappt und ich konnte mir am gestrigen Sonntag am Gasthaus Steinerne Renne den 50sten Stempel in den Wanderpass drücken und bin damit Wanderkönig der Harzer Wandernadel, Hurra!

Um das zu schaffen musste ich 15 Stempelstellen an zwei Tagen abklappern. In einigen Regionen ist das ja nicht schwer. Problem: Wo die Stempelstellen dicht beieinander liegen habe ich ja auch schon einiges. Die Einscheidung fiel dann, das Samstag und Sonntag zwischen Wernigerode und Schierke auszutragen. Allerdings konnte ich aus Wernigerrode nicht erheblich früher als 15 Uhr los. Ziel: Vor 22 Uhr in der Jugendherberge in Schierke einchecken, danach macht die nämlich zu. Dazwischen acht Stempel einsammeln – na gut, dann eben einen Schritt schneller.

Um 15 Uhr hatte ich am Agnesberg den ersten Stempel im Buch. Dann weiter über Christianental, Scharfenstein und Armeleuteberg, macht vier. Vom Kaiserturm am Armeleuteberg konnte ich Richtung Westen einen Waldbrand sehen. Läge der auf dem Weg zum Elversstein und ich käme nicht durch, wäre das das Aus für das Tagesvorhaben.

Letztendlich kam ich aber gut durch und es hat auf der Höhe nur etwas verkokelt gerochen. Von Glück will ich da erstmal gar nicht reden, ist doch allein der Gedanke an einen Waldbrand für den Naturfreund ein Stachel im Fleisch – was da wohl alles kaputt gegangen ist? Ich bin nur froh, dass offensichtlich schnell und effizient gelöscht wurde.

Nach dem Elversstein, ging es dann weiter über das Tumkuhlental und hoch zum Ottofelsen, Nummer fünf, sechs und sieben. Als ich dort ankam war es auch 20 Uhr und es wurde nun schnell dunkel. Mein Plan war, über die Leistenklippe runterzulaufen nach Schierke und mir war schon klar, dass das knapp werden könnte.

Wie es immer so ist, passiert ja dann alles gleichzeitig. Es wurde Nacht, das Wasser ging mir aus und das unwegsamste Stück des Weges zeigte sich mir erst jetzt. Zuerst hatte ich Probleme, die kleinen Wege zu finden, die ich mir ausgesucht hatte, weil es in dem Bereich Holzeinschlag gegeben hatte. Dann wurde der Wald immer dichter und auch sehr dunkel. Zum Glück gibts GPS – das auch bald, aber keinen Moment zu früh, den Geist aufgab. Mit ein bisschen Geächze und Gekraxel kam ich aber gut an der Leistenklippe an, Nummer acht.

Ich war dann sehr froh, dass der Abstieg über den Moorstieg doch recht leicht geht und man im Mondlicht auf den Stegen fast ohne Lampe laufen konnte. Über den Bahnhof gelangte ich nach Schierke und habe die Jugendherberge um 21:40 Uhr noch geschafft, knapp.


Den Sonntag plante ich noch kurz in der Jugendherberge, schließlich musste ich für die Königswürde ja noch sieben Stempel zusammenkratzen. Mir wurde dann klar, dass es keinen Weg gäbe das zu schaffen, ohne noch nach Elend zu laufen. Zusatzherausforderung: Ich musste zurück nach Wernigerrode, aber Trudenstein, Ahrensklint und Gelber Brink hatte ich schon – also musste was anderes her.

Plan also: Drei Stempel in der Nähe von Elend einsammeln und dann rüberwechseln zum Brockenbett – vom Weg her ein bisschen flach, aber schön. So habe ich es dann gemacht. Über die Schnarcherklippen und die Aussichtskanzel Barenberg runter nach Elend und dann auf der anderen Seite wieder rauf zur Schutzhütte Helenenruh – damit hatte ich drei Stempel.

Anschließend erstmal richtig Strecke machen, über den Bahnhof Schierke und entlang an der Bahn bis zum Aufstieg zum Brockenbett und vorbei am gelben Brink. Von hieraus bin ich hoch zur Großen Zeterklippe und dann zum Molkenhausstern. Da war ärgerlicherweise der Stempel zerstört, was mir aber gar nicht die Laune verdorben hat, denn jetzt war klar, dass ich es mit bereits fünf Stempeln in der Tasche wohl schaffen kann.

Auch weg war der Stempel bei der Wolfsklippe, von wo aus ich dann ganz entspannt zur Steinernen Renne weitergehen konnte um Stempel 50 einzusammeln. Zum Glück gibt es ja da ein Gasthaus und dazu ein sehr schönes. Ein idealer Ort für mich, um mir dann auch ein Glas auf den Königstitel zu genehmigen.

Es war eine schöne Wanderung mit durchaus sportlichem Anspruch, die sich auch ohne die Stempelei gelohnt hätte. Gut, ich gebe zu, den langen Schlag am zweiten Tag hätte man wahrscheinlich etwas abwechslungsreicher gestaltet, wenn man denn nicht gerade den Wanderkönig schon in greifbarer Nähe gesehen hätte.

 

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