Antennen auf dem Brockengipfel

Harzer Hexenstieg

Den Harz hatte ich bisher noch nicht wirklich erkundet und bin im April 2015 kurzfristig aufgebrochen, um den Hexenstieg auszuprobieren. Wie sich zeigen sollte, hatte ich den Harz in mehrerlei Hinsicht unterschätzt.

Laut der offiziellen Informationen zu dem Qualitätswanderweg, ist die Strecke 96km lang. Diese wie viele andere Informationen zur Strecke, finden sich auf der offiziellen Webseite zu der Wanderung.

Ich hatte mich entschieden die Wanderung Mitte April zu machen und mir für die Distanz dreieinhalb Tage zu nehmen.Die Etappen, die ich hier Vorschlage sind damit ein wenig ambitioniert. Den Ausgangspunkt Osterrode erreichte ich einfach mit der Bahn. Von Berlin Berlin aus dauert das etwa zweieinhalb Stunden mit einem Umstieg in Braunschweig.

In Osterrode hat man dann die Gelegenheit sich beim Tourismusbüro in der Eisensteinstraße den Wanderpass sowohl des Hexenstieges, als auch der Harzer Wandernadel zu holen.

Tourenbeschreibung

Bei meinen Kilometerangaben ist etwas Vorsicht geboten. Es sind die tatsächlichen Kilometer, die ich laut GPS gelaufen bin. Da sind also alle kleinen Umwege dabei. Wahrscheinlich kann man ein bisschen was abziehen.

Tag 1: Osterrode – Altenau, 28km

Am Ostrand von Osterrode befindet sich der Beginn des Hexenstieges, vor Ort ist auch ein großer Parkplatz. Man biegt hier in den Hundischen Weg ein und sogleich beginnt der Aufstieg. Man erreicht den Eselsplatz, wo man sich seinen ersten Stempel holen kann. Es geht weiter auf einem Kammweg und der Aufstieg setzt sich kontinuierlich fort. Mitte April, ich bin am 13.4. losgelaufen, bin ich dann ab ca. 600 Höhenmetern auch auf etwas Schnee getroffen, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Gerade auf ein paar Umwegen zu abgelegeneren Stempelstellen, musste ich dann teils über geschlossene Schneedecken gehen – eine Anstrengung die nicht geplant war. Einen solchen Abstecher kann man z.B gleich nach den Heidelbeerköpfen machen, hier ist die Stempelstelle Braunseck gleich in der Nähe der Route.

Schließlich ist der Aufstieg erst einmal geschafft und man erreicht den Bärenbrucher Teich, die erste Begegnung mit dem Oberharzer Wasserregal. Das Weltkulturerbe ist wirklich sehr sehenswert und begleitet einen nun eine Weile. Entlang der Gräben des Wasserregals gelangt man zum Sperberhaier Damm, einem der größten Bauwerke des Wasserregals und passiert diesen. Auch danach bleibt die Wanderung weiter ohne große Aufstiege und führt entlang an den Kanälen des Wasserregals nach Altenau, das gerade Abseits des Weges liegt. Hier gibt es Gaststätten und eine Therme. Als einfach Wanderherberge kann ich das Hotel Drei Bären empfehlen, das die ehemalige Jugendherberge von Altenau ist und auch diesen, wie ich finde angemessenen, Standard hat.

Tag 2: Altenau – Schierke, 30km

Der Beginn des zweiten Tages ist geprägt vom Oberharzer Wasserregal. Entlang der Kanäle gelangt man zu spannenden Wasserbauwerken, die teils auch als interaktiver Lehrpfad zu dem Weltkulturerbe aufbereitet sind. Bald beginnen wir den Aufstieg nach Torfhaus. Wie man in meinem Track sehen kann, habe ich hier den Weg des Hexenstiegs ein wenig verlassen und habe die Stempelstelle 221 Jungfernklippe mitgenommen und habe einen anderen Aufstieg nach Torfhaus gewählt. Diese Variante kann ich absolut empfehlen, denn der Aufstieg über den nördlicheren Weg ist sehr schön. Allerdings ist der Abstieg von der gegenüberliegenden Talseite sehr steil – hier also ein wenig Vorsicht.

Torfhaus ist die höchstgelegene gemeinde Niedersachsens und bietet auch eine Jugendherberge und damit die Chance hier zu übernachten. Geht man weiter gelangt man ins Torfhausmoor. Das Hochmoor ist sehr sehenswert: Zwischen im Moor versinkendem Totholz wandert man über Stege und hat hervorragende Ausblicke auf den Brocken, der hier schon sehr nah ist.

Gleich hinter dem Moor beginnt dann auch sehr bald der Aufstieg zum Brocken. Für diesen benötigt man einige Zeit, der Aufstieg ist aber weder besonders anstrengend noch spektakulär. Die Wege sind auf dem gesamten Teilstück sehr breit und teilweise auch parallel zu den Gleisen der Harzer Schmalspurbahnen geführt, deren Züge man nun immer wieder trifft. Nach einiger Zeit ist man eigentlich ohne Anstrengung auf dem Brocken.

Oben sollte man sich zumindest die Zeit nehmen einmal den Rundweg um die Kuppe zu erlaufen. War der Aufstieg auch unspektakulär bieten sich hier doch einige Interessante Weitblicke und man erkennt die eben doch existierenden Qualitäten dieses Berges. Eine Möglichkeit zur Einkehr gibt es im Brockenhaus auch. Hier merkt man dann nicht nur, dass das ganze sehr touristisch ist, sondern auch, dass man die Grenze zu Sachsen-Anhalt überschritten hat und nunmehr im Osten ist – alles wurde lieblos von unfreundlichem Personal zubereitet, ohne dass viel los gewesen wäre. Obwohl ich etwas gekauft hatte, füllte man mir meine Trinkblase äußerst ungern wieder mit Leitungswasser auf. Leider ist das kein Einzelfall, sondern meine ständige Erfahrung zu im Harz hautnah erfahrbaren immer noch existierenden Unterschieden zwischen Ost und West.

Sehenswerter als der gewählte Aufstieg zum Brocken ist der Abstieg nach Schierke. Geht man auch zuerst wieder an der großen Asphaltstrasse entlang, beginnt bald ein Abstieg über kleine Waldwege. Ich habe hier irgendwann den Hexenstieg verlassen, um die Jugendherberge in Schierke als Nachtquartier zu erreichen. Zu Abend gegessen habe ich unweit der Jugendherberge noch im Brockenstübchen. Hier war man freundlicher als auf dem Brocken und am Essen war nichts auszusetzen.

Tag 3: Schierke – Wendefurth, 37km

Leider hatte ich die Vortagesetappe deutlich unterschätzt. Das lag vor allem daran, dass beim Aufstieg zum Brocken teilweise noch recht viel Schnee lag. Auf geschlossener Schneedecke laufen sich 20 Kilometer mit den entsprechenden Höhenmetern dann auch anders. Vor allem hatte ich mir die Knie etwas überlastet, die Füße beim ständigen Schneetreten zerschunden und meine Achillessehne war ein wenig gereizt. Das rächte sich nun am dritten Tag, wo ich mir eine etwas längere Etappe gesteckt hatte – falsche Reihenfolge.

Von Schierke aus hat mein einen langsamen und stetigen Aufstieg und erreicht bald wieder den Wanderweg des Hexenstiegs. Hier gibt es gleich einen tollen Ausblick vom Trudenstein. Die Wanderung führt weiter über die Ranger-Station am Hohne Hof. Gleich darauf folgt Kukkis Gulaschkanone auf dem Parkplatz beim Bahnhof drei Annen-Hohne. Leider war ich so dämlich die wohl weltbekannte Erbsensuppe nicht zu probieren, dabei bin ich eigentlich ein großer Fan. Wahrscheinlich hatten mich meine Blessuren an dem Tag einfach in den Wahnsinn getrieben.

Stattdessen ging ich gleich weiter nach Königshütte, wo die Wasserfälle unbedingt sehenswert sind. Gleich hinter dem Ort gibt es die Möglichkeit sich einen zusätzlichen Stempel durch Aufstieg zur Ruine Königsburg zu holen. Aufgrund des Zustands meiner Knie ließ ich das sein und wandte mich gleich dem Stausee zu, den man von hieraus bis zur Staumauer entlanggeht.

Auch an der Staumauer wechselt man aber die Seite nicht und folgt dem Lauf der Bode. Nach Verlassen des Flußtals, erreicht man bald Rübeland. Im April war hier leider noch gar nichts los und sämtliche Gastronomien waren geschlossen, was mich enttäuschte, weil ich eine ausgedehnte Pause und Wasser brauchte. Ich hatte das Glück, dass mich ein paar Bauarbeiter freundlicherweise an ihren Wasserhahn ließen. Die waren dabei hier die Straßen instand zu setzen, in Erwartung der Touristen, die sich im Sommer die Tropfsteinhöhlen anschauen.

Ich setzte den Weg Richtung Wendefurth fort. Hierbei passiert man den Ort Neuwerk, der wirklich sehenswert ist und mir ursprünglicher erschien als vieles, was ich auf dem Weg gesehen hatte. Das Bodetal wird hier auch richtig schön und öffnet sich langsam zum Wendefurther Stausee. Der flankierende Weg ist abwechslungsreich.

Gleich darauf wurde mir der Verlauf allerdings zu abwechslungsreich und der Weg war schwer zu finden. Ich sah Wendefurth bereits auf der anderen Seite aber der Weg führte mich ständig auf und ab und entfernte mich auch wieder vom Ziel. Dieser letzte Teil schlauchte mich sehr und ich versuchte stellenweise abzukürzen, was nur teilweise gelang. Trotzdem erreichte ich den Bereich oberhalb der Staumauer, von wo aus sich ein schöner Blick auf den See und Wendefurth bietet.

Auch in Wendefurth ist selbstverständlich im April noch nichts los und ich hatte im Vorfeld Probleme eine Übernachtung zu finden. Das was ich dann gefunden hatte war aber großartig. Hier betreibt Familie Belanger im eigenen Haus ein kleines Bed and Breakfast. Ich fühlte mich wirklich sehr willkommen und hatte großartige Gastgeber. Eben das was es nach einem wirklich schwierigen Wandertag braucht.

Tag 4: Wendefurth – Thale, 20km

Besser ausgeruht als am Vortag machte ich mich auf meine letzte und nun kleinere Etappe. Der Weg führt von hieran immer entlang der Bode bis nach Thale. Zuerst ist das Flußtal noch breit, wird aber bald immer enger und steiler. Gerade der letzte Abschnitt ist wirklich grandios und das Tal fällt Steil zum Fluß ab, während der Wanderweg hoch am Hang geführt wird. Dieser Abschnitt ist wirklich toll und man kann stellenweise kaum glauben, dass man nicht in den Alpen, sondern in Sachsen-Anhalt ist – für diesen Abschnitt eine große Empfehlung.

Ebenso empfiehlt es sich kurz vor Thale noch das Gasthaus Königsruhe zu besuchen, dass eingezwängt zwischen den Steilen Felsen des Flußtals liegt. Eigentlich ist man damit schon in Thale und kann ein Essen hier quasi als Abschluss der Tour verstehen. Sollte man verlängern wollen kann man hier noch auf die Höhe und auf den Hexentanzplatz aufsteigen. Anderenfalls ist man sehr schnell in Thale und gegenüber des Bahnhofs am Ende der Tour angelangt. Im Tourismusbüro im Bahnhof kann man sich auch die Wandernadel der Tour abholen.

Ich meine die Tour ist durchaus in drei Tagen gut machbar, ich hatte allein das Pech mit dem Schnee, was mir die Gelenke ein wenig versaut hat. Für einen geübten Wanderer sollte die Strecke aber bei normalem Untergrund kein Problem sein. Anderenfalls ist es wahrscheinlich besser sich einen Tag mehr zu nehmen.

Es handelt sich wirklich um einen Premiumweg, der fast überall gut gepflegt und ausgeschildert ist. Allein vor Wendefurth hatte ich – wahrscheinlich bedingt durch Waldarbeiten – ein paar Probleme. Dennoch ein großes Lob für die Wegeführung. Um den Harz in wenigen Tagen einmal kennenzulernen, ein nahezu perfekter Weg.


Eine sehr schone Seite mit vielen Informationen zu der Tour bietet Harzinfo.de.



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3 Gedanken zu „Harzer Hexenstieg

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